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Riß des Brustmuskels
Geschrieben am Mittwoch, 19.März. @ 12:55:21 CET
BerichteBei zunehmend mehr jungen Sportlern kommt es zum Riß des Brustmuskels
Quelle: Ärzte Zeitung, 03.02.1998

Eine hohe Verletzungsrate ist beim Kraftsport (Bodybuilding) Mißverhältnis von Sehnendicke zu Muskelmasse zu verzeichnen.

Eigentlich ist es eine sehr seltene - und zudem typische Verletzung bei Männern. In Zeiten zunehmender Beliebtheit der Bodybuilding-Studios hat die Häufigkeit aber in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Rede ist von der Ruptur des Musculus pectoralis major.

Insgesamt 125 derartige Verletzungen sind in wissenschaftlichen Publikationen beschrieben worden. Alle bei Männern. Nahezu 80 Prozent der Läsionen entstanden beim Sport, meist beim Krafttraining.

Dr. Jochem Schunck von der Orthopädischen Abteilung am Johanna-Etienne Krankenhaus in Neuss und seine Kollegen haben eine Übersicht über die bislang beschriebenen Pectoralis-Rupturen erstellt. Anlaß war eine derartige Verletzung bei einem von ihnen behandelten 22jährigen Mann, der den Muskelabriß beim Sprung von einem Übungsturm für Fallschirmspringer erlitt (Z. Orthop. 135, 1997, 535).

Das Durchschnittsalter der bislang beschriebenen Patienten mit einer derartigen Verletzung liegt bei 30 Jahren. Es kommen proximale und distale, komplette und partielle Rupturen vor. Erkennen läßt sich die distale Ruptur an der fehlenden vorderen Axillarfalte, die normalerweise durch den unteren Rand des M. pectoralis major gebildet wird. Ein schmaler subkutaner Strang bleibt oft erhalten. Proximale Rupturen erkennt man an einer Delle im Muskelbauch und einer Verdickung der Axillarfalte durch die Muskelretraktion.

Spontanrupturen, zum Beispiel durch Überbelastung oder degenerative Veränderungen sind offenbar sehr selten, hat Schunck herausgefunden. Die hohe Verletzungsrate beim Kraftsport sei durch das Mißverhältnis zwischen trainierter Muskelmasse und Sehnenquerschnitt bedingt. Die Verletzungsanfälligkeit werde durch die zusätzliche Einnahme von Anabolika oder Wachstumshormonen noch gefördert.

Bei partiellen Rupturen scheint nach den Literaturdaten eine konservative Behandlung sehr erfolgversprechend zu sein. Ausgedehnte Weichteilhämatome sollten jedoch in einer Operation ausgeräumt werden, empfiehlt Schunck. Die Spätresultate einer operativen Behandlung seien bei Rupturen im sehnigen Ansatzbereich nicht so gut, berichtet er. Ursache sei die schwierige Verankerung der Nähte im muskulären Bereich und die Neigung zu Adhäsionen. Bei älteren Patienten sei daher bei solchen Rupturen auch eine konservative Behandlung zu erwägen.

Bei noch körperlich aktiven jungen Menschen sollte eine komplette Ruptur aber immer operiert werden, meint Schunck. Am besten sei der sofortige Eingriff nach Auftreten der Läsion. Aber auch drei bis sechs Monate alte Rupturen können durch eine Operation noch ganz gut gebessert werden, um den Betroffenen ihre normale Muskelkraft wieder zurückzugeben.

 
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